Kunst-Förderung vs. Kreativwirtschafts-Förderung – ein (später) Vermittlungsversuch

Programm

9:30 Uhr Einlass

10:00 Uhr Begrüßung durch den LAFT Vorstand

10:15 Uhr
Vortrag von Dr. Alexandra Manske (Universität Hamburg)
„Aufruhr im Kulturbetrieb – oder warum das Beharren auf einem künstlerischen Selbst keine Politik der Entunterwerfung macht“
Der Vortrag behandelt die Frage, wie sich die Beziehung von Künstler*innen und Kreativen aus soziologischer Perspektive beschreiben lässt. Eine Antwort darauf wird umso dringlicher, da sich Künstler*innen bisweilen selber als „Kreative“ und als „selbständige Unternehmer*innen“ bezeichnen. Zugleich steht die Selbstbezeichnung als Kreative respektive Unternehmer*innen in einem Spannungsverhältnis zu einem in der freien Kultur-Szene geführten Disput, der sich dagegen verwahrt zum Sternenstaub einer kulturell dekorierten Ökonomie gemacht zu werden. Wie also lässt sich die soziale Beziehung von Künstler*innen und Kreativen fassen? Die These lautet, dass es sich um eine widersprüchliche Entgrenzung des Künstlerbegriffs handelt, in die ästhetische, politische, wirtschaftliche Auffassungen über die gesellschaftliche Funktion von Künstler*innen eingehen. Das Problem wird aus unterschiedlichen Richtungen diskutiert, u.a. aus einer sozialhistorischen Perspektive, die den Künstlerbegriff als bürgerliche Projektionsfläche akzentuiert sowie aus einer sozialstrukturelle Perspektive, um auf Statusfallen von Projektarbeit hinzuweisen.
Biografie

11:00 Uhr
Vortrag von Julian Knoth (Sänger und Bassist der Band “Die Nerven”)
„Wie ich aus Versehen ein Musiker wurde“
Als junger Mensch, der das Gefühl hatte sich irgendwie künstlerisch ausdrücken zu müssen, habe ich einfach mal gemacht. Dann fand ich mich in einer Rolle wieder, die ich erst einmal akzeptieren musste: Ich war zum Musiker geworden. Vom Konflikt mit dem Musikbusiness und dem Glück diesen Weg genauso gegangen zu sein. Klingt jetzt wie der Klappentext in einem ziemlich schlechten Ratgeberbuch, dafür entschuldige ich mich nicht.
Biografie

11:15 Uhr
Vortrag von Melanie Seifart (Kreativ Kultur Berlin)

11:30 Uhr
Drei parallele Workshops:

  • Andreas Lübbers
    Kulturpolitischer Workshop zur Klärung der Frage: “Was für eine Wirtschaftsförderung wollen wir überhaupt?” Welche Bedarfe an Wirtschaftsförderung für die Akteur*innen der freien darstellenden Künste können wir erkennen und welche Förderinstrumente könnten sinnvoll sein? Seit 2009, nach dem Bericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages und der dort übernommenen Definition der kreativwirtschaftlichen Sparten nach Södermann, wird die Kreativwirtschaft als drittstärkster Teilmarkt im BIP wahrgenommen. Seither wird die Wirtschaftsförderung kontrovers zur Kulturförderung diskutiert. Der Diskurs über Abgrenzung von wirtschaftlicher Ausrichtung und Kunstproduktion jenseits einer Ökonomisierung ist bisher nicht abgeschlossen.
    Biografie

  • Lukas Franke
    Kulturtheoretischer Workshop „Criticism is part of our brand“ Können Kulturschaffende der neoliberalen Umarmung noch irgendwie entkommen?
    Das Versprechen künstlerischer und kreativer Arbeit ist individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung – die Realität zumeist Selbstausbeutung und -optimierung  für einen erbarmungslosen Markt. Sind sich freie Künstler, Kulturschaffende und Kreative ihrer ambivalenten Rolle als idealtypische Arbeitnehmer einer entgrenzten und enthemmten Ökonomie bewusst? Und was können sie tun, um dem Zugriff kapitalistischer Verwertungslogik und der Existenz im Künstlerprekariat zu entkommen?
    Biografie

  • Peter Kessel und Melanie Seifert
    Praktischer Workshop: “Entwicklung eines Business Plans” Gruppen, Unternehmen und Solokünstler*innen in den freien darstellenden Künsten, die gerne einen Business Plan entwickeln wollen, können in diesem kompakten Workshop die wichtigsten Grundlagen einer individuellen Geschäftsplanung mit dem Lean Canvas Modell erlernen.


12:30 Uhr
Gemeinsames Mittagessen

13:30 Uhr
Fortführung der drei Workshops

14:30 Uhr
Abschlussvortrag von Lisa Basten (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)
"Kreatives Unternehmertum vs. Kunst als Berufung. Über neue Unterschiede
und alte Strukturen in unserer Arbeitswelt"

Der Vortrag setzt an dem Punkt an, an dem ein Theater- oder Tanzprojekt entstanden ist, an dem Zeit investiert wurde. Für die finanzielle Entlohnung von geleisteter Arbeit macht es keinerlei Unterschied aus welchem Topf das Geld fließt. Gage aus dem Kunsttopf zahlt nicht mehr Brötchen als die aus einem an wirtschaftlicher Verwertung interessierten Topf.
Der Unterschied für die/den einzelne/n, an einem Projekt der freien darstellenden Künste beteiligte/n Akteur*in ist nicht die Herkunft des Geldes, der Unterschied ist die Höhe des Betrags.
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