Die GewinnerInnen der ersten Runde

Die Jury hat 10 Konzeptteams für die Teilnahme an der 2. Runde ausgewählt.
Diese zehn Theater, EinzelkünstlerInnen oder Gruppen können ihr Konzept in der zweiten Runde überarbeiten. Am 9. Oktober 2015 präsentieren sie in jeweils 5 Minuten und 30 Sekunden ihr Konzept in einem öffentlichen Pitch, um die Jury und die Zuschauer zu überzeugen.

Heimathafen Neukölln // Nicole Hasenjäger

www.heimathafen-neukoelln.de

DER HEIMATHAFEN NEUKÖLLN: Ein Volkstheater für Berlin
„Berlin hat wieder Volkstheater“. Mit diesem Motto ist der Heimathafen vor 6 Jahren angetreten, um den damals vom Bezirksamt betriebenen Saalbau als einen neuen Veranstaltungsort in Berlin zu etablieren. „Niedrigschwelliges, qualitativ hochwertiges und genreübergreifendes Kulturangebot“ sollten die neuen Betreiber bieten „und die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Personen mit niedrigem Einkommen ermöglichen, jedoch auch über den direkten Einzugsbereich hinaus ein gesamtstädtisches Publikum erreichen“. Die Idee des inhaltlich im Kiez verankerten Stadtteiltheaters hat seitdem Schule gemacht: Publikumserfolge wie bspw. unsere Eigenproduktionen „Arabqueen“ oder „Die Rixdorfer Perlen“ sind mit jeweils über 100 Vorstellungen gespielt worden und noch immer im Repertoire. Dies hat nicht nur mit den Stücken selbst, sondern auch mit einem Phänomen zu tun, was wir allabendlich erleben: Die Menschen kommen zu uns, nicht nur um ein Stück zu sehen, sondern weil sie sich angezogen fühlen von der positiven Ausstrahlung und der Glaubwürdigkeit unseres Theaters.

Zentralrat der Asozialen in Deutschland (ZaiD) // Tucké Royale

www.zentralrat-der-asozialen.de

Als ein sich stetig vergrößerndes Team gründen wir am 18. März 2015 auf Kampnagel in Hamburg den „Zentralrat der Asozialen in Deutschland“ (ZAiD). Unsere Methode ist das „Pre-Enactment“: Wir stellen historische Ereignisse nicht nach, sondern her. Durch diesen performativen Kunstgriff schließen wir die historische Lücke von 70 Jahren des Unter-den-Tisch-Fallens einer vollständigen Erzählung der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Die als „asozial“ Denunzierten (z.B. Arme, Obdachlose, Prostituierte, Sinti und Roma, Arbeitslose, Fürsorgeempfänger) gehören auch heute noch zu den häufig vergessenen und moralisch wie materiell kaum entschädigten Verfolgten. Wir stellen durch unsere PR-Kampagnen eine Aufmerksamkeit für diese heterogene Opfergruppe her. Die Spezifika der als „asozial“ Verfolgten besteht darin, dass es im Gegensatz zu anderen Opfergruppen keine Selbstidentifikation mit dieser Zuschreibung gibt. Als performatives Kunstprojekt bewegen wir uns osmotisch auf der Grenze zwischen Theater und Politik.

Turbo Pascal // Margret Schütz

www.turbopascal.info

Turbo Pascal versteht das Theater als Versammlungsort. Die Gruppe erarbeitet seit 10 Jahren Produktionen, die das Publikum mit einschließen und auf unterschiedliche Weise zu Ko-Autoren macht.
Fragen an das Publikum sind oft der Auslöser für Interaktion. Dafür entwickelt Turbo Pascal Interaktionstools und Formate - per Abstimmung, mit Laserpointern oder durch Klebezettel speisen die Besucher Antworten, Daten und Themen ein und bestimmen so den Verlauf des Abends.
Die Gesellige Runde ist ein Format, bei der jeweils eine Frage projiziert wird und das Publikum per Klebezettel anonymiserte Antworten abgeben kann, die dann ebenfalls projiziert werden.
Turbo Pascal gilt in den Medien mittlerweile als „Experten auf dem Gebiet des theatralen Publikumsexperimentes“ (Wolfgang Behrens, Nachtkritik, Okt. 2014).

PAUL studios (ehemals syn.corporeal)

www.verakoeppern.com
www.lenafingerle.de

Seit Jahresbeginn ziehen wir Wände, verlegen Böden und kratzen an den Abenden die weiße Farbe unter den Fingernägeln hervor. In der Ziegrastraße in Neukölln eröffnet Mitte April unser Studio für darstellende Kunst und Photographie syn.corporeal.
syn.corporeal, Name eines reellen Ortes also, gleichzeitig produktive Klammer für unsere künftigen interdisziplinären und individuellen künstlerischen Arbeiten. Wir, das sind sieben feste Mitglieder, beheimatet in verschiedenen Bereichen der darstellenden Kunst und Photographie: Vera Köppern ist zeitgenössische Flamencotänzerin, Citlali Huezo Sänchez macht Physisches Theater (Regie, Schauspiel und Schauspiellehre), Andriana Seecker ist zeitgenössische Tänzerin, Aylin Winzenburg klassische Sängerin und Stimmbildnerin, Franziska Schurr streut Sprechtexte und einen dramaturgischen Blick, Steve Massy und Lena Fingerle nehmen mit ihren Foto- und Fimkameras Körper und Bewegungen ins Visier.Uns allen ist ein spezieller Fokus gemeinsam: die empirische Auseinandersetzung mit dem Körper als Investigationsobjekt und expressivem Element, sowie der Darstellung von Körperlichkeit.

ATZE Musiktheater // Tom Müller-Heuser

www.atzeberlin.de

Das ATZE Musiktheater ist mit über 90.000 Zuschauern pro Jahr Deutschlands größtes Musiktheater für Kinder im Grundschulalter. Im Großen Saal finden 480, im Studio weitere 150 Besucher Platz. Durch Gastspielreisen im gesamten Bundesgebiet ist das ATZE Musiktheater weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Die Tourneen werden jährlich von ca. 25.000 Zuschauern zusätzlich besucht. Zielgruppe sind Familien, Schulklassen und Kitagruppen mit Kindern im Alter von 4-13 Jahren.
Das Wort "Atze" heißt im Berlinerischen "großer Bruder" oder "bester Freund". Beide Bedeutungen drücken den programmatischen Anspruch des Hauses aus: Die Inszenierungen sollen besonders Kinder den Rücken stärken und auf dem individuellen Entwicklungsweg mit Lösungsansätzen und Anteilnahme begleiten. Durch die Stoff- und Themenauswahl (Liebe und Freundschaft, Trennung, Lüge und Wahrheit, kulturelle Vielfalt, etc.) werden Erwachsene genauso angesprochen wie Kinder.

zweite reihe // Georg Carstens

www.zweite-reihe.org

zweite reihe ist ein freischaffendes Regieteam aus Berlin. Georg Carstens (Regie), Justus Saretz (Ausstattung) und Berit Carstens (Dramaturgie) arbeiten seit 2008 kontinuierlich zusammen. Wir berufen uns auf die Tradition des Theaters, seine Stoffe immer wieder aus den zeitgenössischen Mythen zu gewinnen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Verdichtung von Blockbustern, Fernsehformaten, Internetphänomenen und Biografien des öffentlichen Lebens zu gegenwärtigen Tragikomödien. Ein Spagat zwischen Tränen und Lachen, Helene Fischer und Shakespeare, tiefer Scham und einem Happy End.
Inszenierungen u.a. in einer alten Drogerie-Filiale, am Thalia Theater Hamburg, in einer Baumschule, am St. Pauli Theater Hamburg, auf einer Elbfähre, auf Kampnagel Hamburg, in den sophiensaelen Berlin, in einer Berliner Eckkneipe und für das Theaterhaus Jena.
Zur Zeit erarbeiten wir mit dem Grafikdesigner Nils Poppe ein neues Artwork um die nachhaltige Professionalisierung unserer Gruppe weiter voranzutreiben.

Kostümkollektiv e.V. // Ursula Salomon

http://www.kostuemkollektiv.de

Wir sind das Kostümkollektiv mit Sitz im Kunstquartier Bethanien. Die Beschäftigung mit Kostüm- und Maskenbild im Kontext von Gesellschaft, Geschlechterrolle, Bühnenfigur, Zeichensystem, Dramaturgie und Historie ist gerade in der heutigen Zeit der kürzer werdenden finanziellen Mittel eine notwendige Aufgabe in unserer künstlerischen Arbeit und ihrer Vermittlung. Das Kostümkollektiv findet: Kostümbild muss viel mehr als bisher als einflussreicher Bestandteil der Darstellenden Kunst und als eigenständige Kunst und pädagogisches Potential anerkannt werden. Daher organisieren und fördern wir Veranstaltungen und Projekte, wie beispielsweise die „Interdisziplinären Werkstätten – Kostüm und ... “, welche diese Ziele verfolgen und schaffen Infrastruktur für bessere Arbeitsbedingungen von Kostümbildnern und anderen Professionen der freien Szene: Wir betreiben einen gemeinsamen Kostümfundus für und mit der freien Szene darstellenden Kunst, um ähnlich professionelle Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, wie sie an den geförderten Institutionen selbstverständlich ist.

Institut für Widerstand im Postfordismus / müller***** // Elisa Müller

www.labelmueller.de
www.widerstandimpostfordismus.wordpress.com
www.muchina.de

Unter dem Motto „Wir müssen Gegengeschichte schreiben“ (Harald Welzer) hat sich 2014 das „Institut für Widerstand im Postfordismus“ in Bonn gegründet. Es ist ein in seinem Forschungsauftrag und in seiner Forschungsweise einmaliges Projekt: Das Institut erforscht einen zukünftigen gesellschaftlichen Umbruch, eine kommende Revolution 2015-2029.
Als ein interdisziplinärer Zusammenschluss von WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen, AktivistInnen und BürgerInnen tritt es in unterschiedlichen Plattformen und performativen Interventionen an die Öffentlichkeit, propagiert die kommende widerständische Geschichtsschreibung und lädt zur kollektiven Mitforschung: Welche Revolution(en) werden wir erlebt haben werden?

English Theatre Berlin | International Performing Arts Center // Daniel Brunet

www.etberlin.de

Das English Theatre Berlin | International Performing Arts Center (ETB | IPAC) mit der Arbeitssprache Englisch ist das Zentrum für englischsprachige darstellende Künste in der deutschen Hauptstadt und bietet programmatisch – sowohl in Form von Hausproduktionen als auch von internationalen Gastspielen – eine große Bandbreite von den Klassikern über zeitgenössische Stücke und Theaterformen bis zu Comedy, Konzerten sowie ein weit gefächertes Programm der kulturellen Bildung. Mit diesem inhaltlichen Ansatz reflektiert das Haus zum einen Entwicklungen und Tendenzen des internationalen Theaters und der Performance und kreiert andererseits eine Synthese performativer Arbeiten aus dem weltweit einzigartigen Schmelztiegel theatraler Formen und Traditionen made in Berlin. Darüber hinaus untersuchen wir permanent die Praxis und die Bedeutung des Szenischen Schreibens im 21. Jahrhundert in Form von Szenischen Präsentationen mit anschließendem Publikumsgespräch. Wir verstehen uns als Plattform des öffentlichen Austauschs mit einer Sprache, die auch die Partizipation verschiedenster Communities, die nicht zwingend Deutsch sprechen, ermöglicht.


Theater RambaZamba // Esther Ningelgen

www.theater-rambazamba.org

Die Besonderheit des Theater RambaZamba sind seine Akteure: 35 Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen arbeiten hier als professionelle Schauspieler. Sie proben szenisches Spiel an fünf Tagen in der Woche und spielen jährlich 80-100 Vorstellungen im eigenen Haus, sowie auf Gastspielen im In- und Ausland. Das Theater RambaZamba unterscheidet sich von vielen anderen Akteuren der inklusiven Theaterszene durch die Größe des Ensembles, durch die Institutionalisierung in Form einer eigenen Spielstätte und durch seine professionelle schauspielerische und künstlerische Arbeit: Im Fokus stehen künstlerische Prozesse und kein therapeutisches oder sozialpädagogisches Ziel. Die Inszenierungen sind meist transmedial angelegt und überschreiten die Grenzen zum Tanz, zur Musik und zur bildenden Kunst. Das formale und inhaltliche Spektrum ist weit gefächert und beschränkt sich nicht auf selbstreferentielle Themen. Zum Selbstverständnis des Theaters gehört es, auch mit schwierigen oder tabuisierten Themen, offensiv, frech und ästhetisch an die Öffentlichkeit zu gehen und die Sichtweise und Potentiale der Schauspieler zu zeigen.