Summer School: Raus an die frische Luft. Site-specific Produzieren in ländlichen Räumen

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20. Juni 2025 | 10:00 -
schloss bröllin, Bröllin 3, 17309 Fahrenwalde

Summer School: Raus an die frische Luft. Site-specific Produzieren in ländlichen Räumen

Mit Martin Stiefermann (Choreograph, Mentor, Kurator), Ursula Maria Berzborn (Künstlerische Leiterin Grotest Maru), Lina Gomez (Choreografin der site specific Produktion WIRRUNGEN – SAPATOS CEGOS, Produktionsresidenz 2024, MV tanzt an) und Dörte Wolter (Management Perform[d]ance, Team MV tanzt an)

20. bis 22. Juni, ganztägig

Wie funktioniert das Arbeiten im öffentlichen Raum auf dem Land? Wie kann sich die darstellende Kunst ins rurale Leben einbringen? Wie produziert man site-spezifische Projekte, wie verwandelt man theaterferne Orte in Bühnen? Auf welche Publika treffen wir, wenn wir das Theater verlassen, und welche Diskurse sind für diese von Belang? Und weil es immer auch um Geld geht: Welche Förder- und Kooperationsmöglichkeiten gibt es beim Arbeiten im ländlichen Raum und welche bürokratischen Hürden gilt es, zu nehmen?

Nachdem wir uns 2024 in der ersten Summer School unter dem Titel Raus an die frische Luft mit dem site-spezifischen Arbeiten in der Stadt beschäftigt haben, führt uns die diesjährige Ausgabe raus aufs Land: In Kooperation mit Mecklenburg-Vorpommern tanzt an, einer Initiative von Perform[d]ance, schloss bröllin e.V. und dem Theater Vorpommern, bringen wir in diesem Jahr Akteur*innen verschiedener Sparten der Freien Szene Berlins mit Tanzschaffenden aus Mecklenburg-Vorpommern und anderen Bundesländern auf Schloss Bröllin zusammen, um gemeinsam Produktionsprozesse beim site-spezifischen Arbeiten auf dem Land auszuloten.

An drei Tagen geben die Dozent*innen Einblicke in ihre langjährige Praxis als Kulturakteur*innen und Projektleiter*innen von site-spezifischen Veranstaltungen im ländlichen Raum. Sie teilen Erfahrungen und Wissen zu produktionsrelevanten Fragen wie der Finanzierung, Planung und Organisation von Vorhaben jenseits von klassischen Theaterräumen und der Berücksichtigung ortspezifischer Publika. Sie geben praktische Tipps zur konkreten Umsetzung unterschiedlicher Formate und stellen verschiedene Best-Practice Beispiele vor.

Die Teilnehmenden werden in Feldstudien potentielle Orte im ruralen Raum kennenlernen und ihre Ideen und Konzepte anhand der konkreten Auseinandersetzung mit den Orten, ihren Bedingungen und ihren potentiellen Publika weiterentwickeln.

In deutscher Lautsprache, Q&A in englischer Lautsprache möglich.

 

Bewerbung

Interessierte bewerben sich mit einem kurzen Motivationsschreiben, in dem sie ihre Motivation für die Teilnahme an der Summer School sowie ihr Konzept oder ihre Idee für ein site-spezifisches Projekt im öffentlichen Raum schildern.
Bewerbungsfrist: 26. Mai 2025
Kontakt: beratung [at] pap-berlin.de ()


Kosten

Die Teilnahme am Workshop sowie Unterbringung und Verpflegung sind kostenfrei.


Unterbringung & Verpflegung

Die Unterbringung erfolgt in Einzelzimmern, z. T. mit Nutzung von Gemeinschaftsbädern.
Für die Unterbringung wird im Vorfeld um eine Kaution in Höhe von 50,00€ an Schloss Bröllin gebeten, die nach Workshopteilnahme rückerstattet wird. Bei kurzfristiger, unbegründeter Absage erfolgt ein Einbehalt.
Es wird eine kostenfreie vegetarische Vollverpflegung angeboten.


An- und Abreise

Die An- und Abreise ist selbstständig zu organisieren, Reisekosten bis Pasewalk werden nicht übernommen. Es besteht die Möglichkeit, mit dem DB Regio oder ICE (Berlin Hbf – Pasewalk) und anschließend mit dem Fahrrad oder Großraumtaxi (Pasewalk – Bröllin) anzureisen. Die Kosten für das Großraumtaxi von Pasewalk nach Schloss Bröllin werden übernommen. Alternativ ist eine selbstständige Anreise mit dem Auto möglich.

Wir befürworten eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei der Vernetzung für Fahrgemeinschaften (Berlin – Bröllin oder Pasewalk – Bröllin mit dem Großraumtaxi) sind wir gern behilflich.

 

 

Programmüberblick

Tag 1 – Freitag, 20. Juni

Anreise bis 12:15 Uhr in Pasewalk bzw. 12:45 Uhr auf Schloss Bröllin 

13:00 Uhr: Backpacks off: Kennenlernmittagessen 
Wir lernen uns und unsere Projektideen beim gemeinsamen Mittagessen kennen.
anschließend: Zimmerbezug und ggf. Spaziergang über das Gelände 

14:30 Uhr: Site-spezifisches Arbeiten – warum eigentlich? 
Wir starten bei uns: Was plane ich eigentlich – eine Performance, eine Intervention, eine Installation, einen Audio-Walk? Warum wähle ich dieses Format, warum überhaupt site-specific und/oder im öffentlichen Raum arbeiten? Und was bringt mich dazu speziell in den ländlichen Raum? Zum Einstieg schauen wir uns an, wie sich Vorgehen und Planung von site-spezifischen Produktionen von Projekten im klassischen Theaterraum unterscheiden und durch welche Besonderheiten sich die verschiedenen Formate auszeichnen. 
Wir fragen uns, aus welcher Motivation heraus wir öffentliche Räume und Publika auf dem Land erschließen wollen. Wir erkunden, welche Partner*innen wir dazu vor Ort haben/brauchen und sehen uns am Fallbeispiel Bröllin an, welche Kooperationsmöglichkeiten und Kofinanzierungen sich anbieten. 

18:30 Uhr: Abendessen 

19:30 Uhr: Partner up: Ein Austausch über Vernetzung und Partnerschaften
Neben aller inhaltlichen Vermittlung ist ein weiteres Ziel der Summer School die Vernetzung von Akteur*innen aus verschiedenen Bundesländern und unterschiedlichen Sparten der freien darstellenden Künste: So treffen einerseits Berliner Akteur*innen auf Künstler*innen aus MV und anderen Bundesländern sowie Expert*innen, die ihre Arbeit im ländlichen Raum umsetzen und zeigen, andererseits Choreograf*innen und Tänzer*innen auf Künstler*innen anderer Sparten. 
Die Vernetzungsrunde am Lagerfeuer dient daher zunächst dem ganz praktischen Austausch aller Teilnehmenden mit Blick auf potentielle zukünftige Kooperationen, greift darüber hinaus aber die Bedeutung von Partnerschaften mit zivilgesellschaftlichen Partner*innen wie Landfrauen und Feuerwehr, Jugendsportvereinen und lokalen Geschäftsleuten im ruralen Raum auf – Tipps und Erfahrungsberichte inklusive. 

 

Tag 2 – Samstag, 21. Juni

8:30 Uhr: Frühstück 

10:00 Uhr: Was geht, was nicht?! - Von Hürden, Herausforderungen und Hacks 
Mit Ursula Maria Berzborn (Künstlerische Leiterin Grotest Maru)

Zum Start in den Tag tauchen wir ein in die Welt der site-spezifischen Besonderheiten – von Genehmigungen über Versicherungen bis hin zur (Arbeits-) Sicherheit für unser Team und Publikum. Wir schauen uns an, welche planerischen und organisatorischen Schritte neu und immer wieder anders sind – besonders dann, wenn wir draußen arbeiten und damit auch der Witterung ausgesetzt sind – und wie wir technische Anforderungen und Fragen nach Strom- und Wasserzufuhr, Mobilität und Schutz des Equipments sowie das Publikumsmanagement vor Ort bewältigen können. Anhand verschiedener Best-Practice-Beispiele lernen sie, wie die besonderen organisatorischen Hürden der site-spezifischen Arbeit genommen werden können.

13:00 Uhr: Mittagessen 

14:00 bis 17:00 Uhr: Hands on – Feldstudien auf Schloss Bröllin und in Pasewalk 
Nach dem Input wird es praktisch: In zwei Gruppen unternehmen wir Feldstudien –in und um das Schloss herum und in der Kleinstadt Pasewalk. Während die Schloss-Gruppe die Möglichkeiten des site-spezifischen Arbeitens in Dorfkirchen, Gärten oder auf dem freien Feld erkundet, erforscht die Pasewalk-Gruppe das Arbeiten im öffentlichen Raum der Kleinstadt - Fußgängerzonen, Parkplätze, Supermärkte und anderen Orte des täglichen Lebens. 
Während sich die „Brölliner*innen“ mit natürlichen Herausforderungen wie Regen, Hitze, Matsch und Mücken auseinandersetzen, aber auch über Publikumsakquise nachdenken wird, loten die „Pasewalker*innen“ aus, welche Orte sich für Interventionen eignen, wie die Interaktion mit einem Publikum, das noch keines ist, gestaltet werden kann und mit welchem Spektrum an Reaktionen man rechnen muss. 
Im Anschluss an die Feldstudien präsentieren die beiden Gruppen ihre jeweiligen Erfahrungen.

18:30 Uhr: Abendessen 

19:30 Uhr: Do’s und Do Not’s im öffentlichen Raum 
Mit Lina Gomez (Choreografin der site specific Produktion WIRRUNGEN – SAPATOS CEGOS, Produktionsresidenz 2024, MV tanzt an) 

Wer aus der Stadt kommt, weiß: Im urbanen Raum ist man einiges gewohnt. Künstlerische Interventionen müssen in der Stadt tief in die Tasche greifen, um für Aufsehen zu sorgen. Wie ist das in Kleinstädten auf dem Land? Welche Publika finde ich vor und habe ich ein Gespür für sie? Wie ist ihr Blick auf die Orte, die ich bespiele, wofür stehen sie? Und – mal ganz ehrlich - beziehe ich ihre Interessen und Lebenswirklichkeit wirklich in meine Projektplanung mit ein? Welche Beziehung gehe ich mit meinen Publika im öffentlichen Raum ein – wie erreiche ich sie, aber auch: Wie setze ich Grenzen? Wie schütze ich mich ggf. sogar vor Übergriffen? 

Anhand der 2024 als Produktionsresidenz von MV tanzt an auf Schloss Bröllin entstandenen choreografischen Intervention für den öffentlichen Raum WIRRUNGEN schauen wir uns die konkrete Verortung von Projekten an und erörtern, wie man ein Projekt sowie die Zielgruppen und Publika vor Ort von Anfang an zusammendenkt.

 

Tag 3 – Sonntag, 22. Juni

8:30 Uhr: Frühstück 

10:00 Uhr: Digital unterwegs im ländlichem Raum
Anhand des Audio-Walk-Beispiels „SCHRITTE“ (MV tanzt an 2021) untersuchen wir Formate im öffentlichen Raum, in denen verschiedene Orte bespielt werden und sich Performer*innen und Publika gemeinsam fortbewegen. Welche Besonderheiten bringen mobile Formate wie Audio-Walks, Audio-Rides, performative Spaziergänge und Umzüge im Hinblick auf die Planung und Organisation mit sich? Was ist zu beachten, wenn Zuschauer*innengruppen von A nach B bewegt werden müssen? Welche technischen Herausforderungen stellen sich? Und wie finde ich sinnvolle Partner*innen, mit denen mobile Formate publik und vielleicht sogar langfristig verfügbar gemacht werden können?

12:00 Uhr: Wie komme ich da rein?
Mit Dörte Wolter (Management Perform[d]ance, Team MV tanzt an) 

Aus der Produktions- und Management-Perspektive erfahren wir, welche Wege, Strategien und Kommunikation es braucht, um an/in theaterferne Orte ran- und reinzukommen:  Wie baut man Kooperationen auf, beispielsweise mit Jugendkunstschulen? Ist es möglich, Orte als Zwischennutzung zu bespielen? Was bringt ein Ort als Geschichte mit? Aus ihrer langjährigen Praxis mit Perform[d]ance aus Stralsund zeigt Dörte Wolter auf, wie es möglich wird, in einer Werft, im Kunstmuseum Ahrenshoop oder um Prora herum zu produzieren.

13:00 Uhr: Mittagessen 

anschließend bzw. bis spätestens 14:00 Uhr: Zimmer räumen

14:00 Uhr: Wrap Up: 

Zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden nochmals Gelegenheit, das erworbene Wissen in ihre Konzepte einzuarbeiten, den letzten Stand in der Gruppe vorzustellen und sich Feedback von den Dozent*innen und aus der Gruppe einzuholen.

16:00 Uhr: Ende der Veranstaltung 

Abreise: eigenständig oder um 17:15 mit dem Großraumtaxi von Schloss Bröllin nach Pasewalk 



Die Summer School Raus an die frische Luft. Site-specific Produzieren in ländlichen Räumen ist eine Kooperation des Performing Arts Programm Berlin und MV TANZT AN (einer Gemeinschaftsinitiative von Perform[d]ance, schloss bröllin e.V. und dem Theater Vorpommern). Eines der zentralen Anliegen von MV TANZT AN ist es, Künstler*innen zum Kommen bzw. zum Bleiben in Mecklenburg-Vorpommern anzuregen und im Bundesland Tanz und Performance zu produzieren. Mecklenburg-Vorpommern bietet jenseits von Theaterräumen eine Vielzahl von interessanten Produktionsorten: Öffentliche Plätze, Strände, Häfen, Einkaufspassagen, Kirchen, Scheunen oder leerstehende Fabrikgebäude können hier zu Bühnen werden. 

Viele Künstler*innen - auch aus der Region – verlassen den traditionellen Theaterraum, um mit neuen, teilweise partizipativen Formaten im öffentlichen Raum zu experimentieren, ob in der Peripherie der Städte oder auf dem Land. Dabei schaffen Tanz und Performance gemeinschaftsstiftende Erlebnisse, bekommten eine neue Sichtbarkeit und erreichen vielfältige lokale Publika. Somit ist neben der konkreten Wissensvermittlung zum site-spezifischen Arbeiten im ländlichen, öffentlichen Raum das große Anliegen der Summer School die nachhaltige Vernetzung überregionaler Akteur*innen verschiedener Sparten der Freien Darstellenden Künste sowie ein explorativer Austausch der Potentiale lokaler Gegebenheiten.   


Eine Kooperation des Performing Arts Programm des LAFT Berlin und der Initiative MV tanzt an.
MV TANZT AN ist eine gemeinsame Initiative von Perform[d]ance, Schloss Bröllin und dem Theater Vorpommern. Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern.

Bewerbung

Wir bitten um Bewerbung mit kurzem Motivationsschreiben bis 26. Mai 2025 an beratung [at] pap-berlin.de.